Ergebnisse der PEGASUS-Studie: Auf dem Weg zu ctDNA-bestimmten Therapiestrategien

PEGASUS Results 2026

Die Studie, die das Fundament für SAGITTARIUS gelegt hat, zeigt, wie die Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy) dazu beitragen kann, die Behandlung von Kolontumor nach der Operation zu personalisieren. Die Endergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Nature Cancer veröffentlicht.

Wie können Kliniker Kolonkrebspatienten, die nach einem chirugischen Eingriff tatsächlich eine Chemotherapie benötigen, von denjenigen unterscheiden, die diese gefahrlos vermeiden könnten?  Diese Frage stand im Mittelpunkt von PEGASUS, einer vom IFOM initiierten und koordinierten klinischen Studie, die das wissenschaftliche Fundament für das europäische Projekt SAGITTARIUS gelegt hat.  Die Endergebnisse der Studie wurden kürzlich in Nature Cancer veröffentlicht.

Die Forschung evaluierte das Potential der Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy), durch eine einfache Blutabnahme Spuren von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) nach dem chirurgischen Eingriff nachzuweisen. Ziel war es, diese Informationen zu nutzen, um therapeutische Entscheidungen auf der Grundlage des individuellen Rückfallrisikos jedes einzelnen Patienten zu treffen. Die Ergebnisse stellen einen wichtigen Schritt in Richtung eines präziseren und personalisierteren Ansatzes bei der Behandlung von Kolontumor dar.

Identifizierung von Patienten mit Rückfallrisiko

Nach einemchirurgischen Eingriff bei Kolontumor mit hohem Risiko kann bei einigen Patienten eine minimale Resterkrankung (englisch minimal residual disease, MRD) verbleiben, die im Laufe der Zeit zu einem Rückfall führen kann, während andere bereits durch die Operation allein geheilt sind.Derzeit ist es jedoch nicht möglich, diese beiden Gruppen präzise zu unterscheiden. Daher wird die Mehrheit der Patienten derselben adjuvanten Chemotherapie unterzogen, obwohl die Patienten sehr unterschiedliche Risiken aufweisen.

Um diese Herausforderung in Angriff zu nehmen, untersuchte PEGASUS, ob eine wiederholte ctDNA-Kontrolle das Vorhandensein einer molekularen Resterkrankung identifizieren und somit eine entsprechende Anpassung der Behandlungsintensität ermöglichen könnte.

Zwischen 2020 und 2022 hat die Studie trotz der durch die COVID-19-Pandemie bedingten Schwierigkeiten 135 Patienten mit Kolontumor im Stadium II mit hohem Rückfallrisiko und im Stadium III in 11 Krankenhäusern in Italien und Spanien aufgenommen, wobei auch mehrere klinische Partner und teilnehmende Zentren von SAGITTARIUS einbezogen wurden.  Die Forscher analysierten nach dem Eingriff gesammelte Blutproben, um das Vorhandensein von ctDNA nachzuweisen, die als potenfieller Indikator für verbleibende Tumorzellen gilt, die mit traditionellen bildgebenden Verfahren nicht nachweisbar sind.

Die Patienten, deren ctDNA-Testergebnis bei zwei aufeinanderfolgenden Blutabnahmen negativ war, wurden einer weniger intensive Therapiestrategie ohne Oxaliplatin unterzogen. Im Gegensatz dazu wurden ctDNA-positive Patienten mit intensiveren Therapien behandelt, die in den Fällen, in denen weiterhin ctDNA im Blut nachweisbar war, weiter angepasst wurden.

Vielversprechende Ergebnisse für die Präzisionsonkologie

Etwa ein Viertel der Teilnehmenden (26 %) wies nach dem chirurgischen Eingriff ein positives ctDNA-Ergebnis auf. 3Jahre nach der Behandlung zeigten die klinischen Ergebnisse signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Von den 100 ctDNA-negativen Patienten waren 83 % krankheitsfrei und 94 % noch am Leben, obwohl sie eine weniger intensive Behandlung erhalten hatten. Bei den ctDNA-positiven Patienten lag das krankheitsfreie Überleben selbst nach der Therapieintensivierung bei etwa 62 %.

Obwohl diese Ergebnisse noch nicht endgültig sind, liefern sie wichtige Belege für die Rolle von ctDNA als Instrument zur Risikostratifizierung nach der Operation. Außerdem untersuchten die Forscher die biologischen Mechanismen, die einem Tumorrezidiv zugrunde liegen. Sie stellten fest, dass stärker personalisierte Therapieansätze sowohl ctDNA-positiven als auch ctDNA-negativen Patienten zugutekommen könnten, was neue Perspektiven für die zukünftige Forschung eröffnet.

Von PEGASUS zu SAGITTARIUS

Die Erkenntnisse der Studie PEGASUS werden im Rahmen von SAGITTARIUS weiterentwickelt und validiert. Diese umfassendere und ehrgeizigere klinische Studie wird im Rahmen der Cancer Mission der Europäischen Union finanziert und derzeit in Italien, Spanien und Deutschland durchgeführt. Sie hat bereits rund 650 Patientinnen und Patienten aufgenommen.

Ziel der Studie SAGITTARIUS ist es, basierend auf den Evidenzen von PEGASUS zwei grundlegende Fragen zu beantworten: Können ctDNA-negative Patienten durch eine intensive molekulare Kontrolle anstelle einer routinemäßigen Chemotherapie sicher versorgt werden und können ctDNA-positive Patienten von personalisierten Therapiestrategien profitieren, die entsprechend der genomischen Merkmale ihres Tumors ausgewählt werden, einschließlich zielgerichteter Therapien und Immuntherapie?

Wie die wissenschaftliche Koordinatorin von SAGITTARIUS, Silvia Marsoni, erklärte: „Mit SAGITTARIUS setzen wir das, was uns PEGASUS gelehrt hat, in die Praxis um. Wir wollen nicht nur begreifen, ob Patienten nach dem chirurgischen EIngriff behandelt werden sollen, sondern auch, wie jeder einzelne Patient so wirksam wie möglich behandelt werden kann.“

Für weitere Informationen

Für weitere Informationen oder zur Teilnahme an der Studie wenden Sie sich bitte an:clinical.trials@ifom.eu.

Weitere Informationen über das SAGITTARIUS-Projekt:

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